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Sonntag, 14. September 2008

Mein zweiter Ärmelkanal-Versuch, 11. Sept. 2008 - Photos und lange Geschichte

im Moment noch auf dem englischen Blog




Noch einige Kilometer von der französischen Küste entfernt - in einer grauen Weite, kurz vor der Unterkühlung, gefangen in der Strömung (groß klicken, dann kann man das schwankende Boot und den kleinen Schwimmer daneben besser erkennen)

Samstag, 13. September 2008

Unterkühlung nach 13 h 40 min.

Nur ganz kurz - mehr später:

Ist er zu stark, bist du zu schwach! Nach 13 Stunden 40 Minuten musste ich aus dem Wasser geholt werden, weil Unterkühlung (blaue Lippen, unklare Aussprache, Verlangsamung des Schwimmens) drohte, die lebensgefährlich sein kann. Der Schwimm durch die Nacht selbst war kein Problem: die Wellen halfen die meiste Zeit, es war sehr friedlich, das Begleitboot gab Sicherheit, aber die kalte Luft (15°C, Wasse17°C) verstärkte den Kälteeffekt des Wassers - und ich war 7 kg leichter als 1985 und ein paar Jährchen älter. Beim Hafentraining bei Tage war die Kälte kein Problem gewesen, auch nicht bei 7-Stunden-Schwimms.

Anyway - ganz, ganz herzlichen Dank an alle, die mich unterstützt, für uns gebetet und an uns gedacht haben!

Das Projekt geht weiter, es war eine Erfahrung auf dem Weg zum Ziel! Der Kanal wird immer da sein, heißt es in Dover.

Meine Helfer, die uns mit dem Van in Calais abholten, halfen mir, das Ganze gut zu verarbeiten und happy gemeinsam nach Hause zu fahren. Wir planen schon für nächstes Jahr!

Freitag, 29. August 2008

TV-Beitrag Ärmelkanalschwimm Christian Hübner aus Bamberg



Am 27. August kam im Bayrischen Fernsehen ein Beitrag über den ersten deutschen Ärmelkanalschwimm in diesem Jahr von Christian Hübner, gefilmt von seinen Team-Kollegen von der IfA Nonstop Bamberg. Dass er trotz schwieriger Bedingungen so erfolgreich war, hat er natürlich neben seiner tollen Crew inklusive Pilot Neil Streeter (Bruder der "Queen of the Channel" Alison), seinem Super-Training zu verdanken, zu dem auch der Zürichsee-Marathonschwimm 2007 und das 12 Stunden-Schwimmen des Sri Chinmoy Marathon Teams im Hallenbad Zürich im Februar 2008 gehörten, ebenso wie ausgiebiges Kaltwassertraining in der Regnitz in Bamberg.

Hoffen wir, dass es in diesem Jahr noch einen zweiten erfolgreichen deutschen Schwimm gibt!

Samstag, 23. August 2008

Verschoben auf September

Aktuelle Berichte seit Juli bitte auf der englischen Seite nachlesen!



Nicht der ideale Schwimmtag! Shakespeare Beach bei Windstärke 8-9 (15.8.2008)

3 Wochen Dover - 2 Wochen Training im Hafen und 1 Woche Warten auf gutes Schwimmwetter - aber es gab keine Chance für mich während meiner gebuchten Tide vom 7.-16. August, da ich der zweite Schwimmer bei meinem "pilot" war. An dem Tag, an dem die Schwimmerin vor mir los durfte, gingen 13 Boote raus. Der Tag erschien fast ideal, gegen Nachmittag sollte allerdings Wind von Süden aufkommen. Der Wind kam früher und stärker als erwartet, und nur 3 der Schwimmer oder Staffeln schafften es bis nach Frankreich. Die meisten anderen wurden z.T. nach 12 Stunden aus dem Wasser geholt, weil es zu gefährlich wurde (manche gaben vorher schon auf). Jetzt war ich für das Warten, als langsamer Schwimmer hätte ich sonst meinen Schwimm wahrscheinlich auch in den Sand gesetzt. So habe ich noch eine Chance!

Da meine Helfer erst wieder im September Zeit haben, ist das Ganze erst einmal verschoben und wir sind wieder heim gereist. Je nachdem wie sich das Wetter entwickelt und wieviele Schwimmer dann noch vor mir sind, werde ich Anfang oder Mitte September kurzfristig nach Dover gehen. Die drei Wochen Training in Kälte und Wellen waren auf jeden Fall ein wichtiger Teil der Vorbereitung. Nach einem kleinen Psycho-Tief geht das Training jetzt auch in Heidelberg wieder weiter. Allerdings ist es im Hafen leichter, mehr als 1 Stunde am Stück zu schwimmen. 2 Stunden im Schwimmbad sind viel - im Hafen fängt "viel" bei 4 Stunden an!

Für Fotos und weitere News bitte zum englischen Blog (sorry, die updates sind zu zeitaufwendig!)



Bea und Sumeru wollten als Helfer mit aufs Boot - leider sind sie im September nicht mehr verfügbar. Wenn jemand Lust hat, sich ca. 15-17 Stunden auf einem schwankenden Boot bei Kälte und Wind und evtl. Regen zu quälen, bitte melden! (Kann allerdings auch ein schöner Aktiv-Urlaub sein, bei gutem Wetter...)

Freitag, 11. Juli 2008

8 Std. Kaltwassertraing in Dover, 5.-7. Juli



Auf dem Weg nach Dover (4. Juli 08)

Gut vier Wochen vor meiner Schwimm-Tide (7.-16. August) habe ich es endlich über ein Wochenende nach Dover geschafft. Es war mir wichtig, um ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, was mich erwartet und wo ich mit meinem Training stehe.

Mit dem Zug von Heidelberg nach Calais, mit der Fähre nach Dover - eine Tagesreise, aber ich wollte die Fähre nehmen um die Strecke wieder zu sehen. Der Kanal war ruhig, glitzerte in der Sonne, die weißen Kreidefelsen von Dover waren schon von Frankreich aus zu sehen.

Abends, nach dem Einchecken im Westbank Guest House, kurzer Spaziergang zum Hafen und nur mit den Beinen ins Wasser - Temperatur erschien "erträglich". Hier vom Hafen konnte man wiederum die französische Küste sehen! Sehr ungewöhnlich, meist ist sie im Dunst verschwunden.

Samstag, 1. Training (5. Juli)

Samstag schien wieder die Sonne, auch wenn der Wind zugenommen hatte. Um 9 Uhr waren schon über 30 Schwimmer aus aller Welt am "Swimmers Beach" versammelt, wo die numerierten Badekappen verteilt wurden: rot für lange Schwimms (3-6 Stunden), gelb für die kürzeren (1-2 Stunden) der Staffeln oder Neuankömmlinge wie mich.



Der lange Marsch in schwimmbares Wasser....

Mein Ziel: so lange im knapp 16 Grad kalten Wasser aushalten wie möglich. Nach einigen Hallos und Begrüßungen ab ins Wasser. Zuerst biss die Kälte scharf ins Gesicht, aber schon nach kurzer Zeit legte sich das Gefühl. Eine Runde - links zum Ost-Dock, zurück zum Prince of Wales Pier (PofW) und wieder zurück zum Swimmers Beach - ist bei mir gut 1 Stunde.


Mit Alison Streeter, "Queen of the Channel" mit 43 erfolgreichen Durchquerungen. Sie hat dieses Jahr ihr eigenes Boot und ist mein Pilot. Sie kennt viele Schwimmer unseres Sri Chinmoy Marathon Teams persönlich, war schon beim Zürichseeschwimmen dabei und wurde von Sri Chinmoy in Australien für ihre Inspiration mit dem "Lifting up the World with a Oneness-Heart"-Award geehrt.

Es war ein super Gefühl, im salzigen Meerwasser mit wesentlich stärkerem Auftrieb in kräftigen Wellen zu schwimmen. Auch die Kälte tat eigentlich gut. Am Ende der ersten Runde jedoch begannen meine Finger taub zu werden und fast zu flattern im Wasser - ein komisches Gefühl. Also stieg ich aus dem Wasser, wechselte in einen trockenen Badeanzug, zog mich dick an und wärmte mich in der Sonne und mit Joggen auf.



Margit und Vasanti - nach dem ersten "Dip"

Bei der nächsten Runde dasselbe - als die Finger taub wurden, ging ich wieder zum Aufwärmen raus. Ich hielt es für besser, langsam zu akklimatisieren - meist war ich zuhause in 20-25 Grad warmem Wasser geschwommen!

Als die 6-Stunden-Schwimmer zur letzten Runde ansetzten, schwamm ich meine dritte Runde - und war einigermaßen happy in der Hoffnung, am nächsten Tag mehr zu schaffen.

Margit, eine hervorragende Freiwasserschwimmerin aus Deutschland, die letztes Jahr als schnellste deutsche Frau geschwommen war, sah nach 2 Stunden ebenso durchgefroren aus wie Miyuki, eine Japanerin, die in wenigen Tagen schwimmen will und den Kanal schon 5 mal geschafft hat! Na, dann kann es ja nicht so schlimm sein, sich an die Kälte zu gewöhnen.

Abends noch einen langen Spaziergang zum Shakespeare Beach und Cliff, von wo die meisten Kanalschwimms starten, kurze Meditation dort mit der Vorstellung, die deutlich sichtbare Küste zu erreichen. Abschreckend eher die endlose Reihe von Containerschiffen, Supertankern etc., die sich in der Ferne von links nach rechts und von rechts nach links durch die beiden Schifffahrtsstraßen bewegen. Wie schaffen unsere Boote das, die Schwimmer da durchzulotsen!?! Und dann kommt vor der Küste natürlich noch die Strömung ab der 9. oder 10. Stunde!



Shakespeare Beach - am Horizont sieht man Frankreich! (großklicken)

Sonntag, 6. Juli

Um 9 Uhr wieder am Strand. Diesmal unter verschärften Bedingungen. Es windet noch stärker, und es regnet!



Der Kanal zeigt sein anderes Gesicht!



Freda und eine weitere unerschrockene und selbstlose Helfer-Seele

Freda, die Mutter von Alison Streeter, der "Queen of the Channel" mit 43 Durchquerungen, betreut die Schwimmer am Wochenende bei ihrem Training ehrenamtlich. Heute bitte ich sie um die rote Kappe, da ich mehr als zwei Stunden am Stück schwimmen will. Ich halte mich sogar an die Gepflogenheiten und komme erst nach der 2. Runde zum "Füttern" an Land - evtl. ein Fehler. Es gibt einen Becher warmes Maxim - das Standardgetränk vieler Kanalschwimmer mit Maltodextrin, Glucose und Vitaminen - dann ab zur nächsten Runde. Heute ist es so "choppy" - wellig - dass wir nicht ganz bis zum östlichen Dock schwimmen dürfen. Beim dritten Feed gibt es zum Maxim noch einen Schokoriegel. Aber die Pause ist minimal.

Im Kopf male ich mir schon aus, wie ich sicher 5 Stunden schaffe, dann kleine Aufwärm-Pause mache und noch eine 6. Runde draufsetze. 6 Stunden wäre der Qualifying Swim für den Kanal, allerdings am Stück natürlich. Ich kann ihn auch noch beim nächsten Mal machen, daher kein Druck.

Die Finger, die am Anfang wieder taub wurden, haben sich im Wasser wieder aufgewärmt - d.h. die Durchblutung funktioniert, der Körper gewöhnt sich an die Bedingungen. Am Ende der 4. Runde jedoch - die Luft ist fast kälter als das Wasser, keine Sonne wärmt diesmal - kriecht die Kälte in meinen Körper, sicher auch weil ich zu wenig Kohlenhydrate zu mir genommen habe. Zwei Becher pro Feed hätten es schon sein müssen. Als ich zur nächsten Fütterung an den Strand schwimme, fragt mich der Helfer: "Fertig?" (eine ganze Reihe von Schwimmern hat nur 4 Stunden vor) - und ich nehme das als Stichwort und steige aus dem Wasser. Hätte er gesagt: "Super, du schaffst auch noch eine Runde!", wäre ich wahrscheinlich nochmal losgeschwommen!

Jetzt begann es auch noch zu regnen und der Wind wurde noch stärker, sodass nach dem Umziehen nicht wirklich mehr an ein erneutes ins Wasser gehen zu denken war. 6 Stunden wären befriedigender gewesen, aber auch 4 Stunden am Stück beim ersten Mal ist nicht schlecht. (1985, als ich beim ersten Schwimm im Hafen problemlos 7 Stunden schaffte, hatte ich 10 kg mehr drauf und war besser ausgeruht - und ein paar Jährchen jünger!)



Eisessen ist auch eine Form von Kältetraining...

Abends noch eine Stunde joggen, essen und ins Bett, in der Hoffnung auf Sonne und noch einen langen Schwimm am nächsten Tag.

Montag, 7. July

Um 9 Uhr wollten wir uns mit Margit, Miyuki und ihrem Coach am Strand treffen. Aber es windete und regnete. Ich war zuerst da (Kamera zuhause gelassen) und beobachtete einen Australier, der in den hohen Wellen im aufgewühlten graubraunen Wasser mutterseelenallein eine kurze Runde drehte.

Als die anderen kamen, wollten sie nicht schwimmen - Margit, weil sie sich für die Freiwassermeisterschaften am Chiemsee in Kürze keine Erkältung holen wollte, und Miyuki, weil sie vor ihrem Schwimm nicht mehr viel trainieren muss/will. Wobei Kältetraining für sie noch wichtig ist, dachte ich bei mir. Da für Nachmittag Sonne gemeldet war, vereinbarten wir, um 3 Uhr schwimmen zu gehen. Alleine im Wasser hätte ich mich jetzt sicher nicht wohlgefühlt.

Als ich um 3 Uhr wieder zum Strand kam, war weder die Sonne da, noch meine Mitschwimmer. Als sie dann gegen 4 Uhr auftauchten und mit ihnen sich die Sonne einen Weg durch die Wolken bahnte, merkte ich, dass ich vergessen hatte, dass meine Uhr noch deutsche Zeit anzeigt.

Das Meer war immer noch wild, mit der Flut war die Brandung am Strand fast gefährlich geworden, aber ich konnte Miyuki zu einer halben Stunde überreden. Als wir erstmal im Wasser waren, machte es richtig Spaß, vor allem auch, in fast gleichem Tempo nebeneinander zu schwimmen (Dass Miyuki es 4x in 13+ Stunden geschafft hatte und einmal in 17:03, machte mir noch mehr Mut!). Es wurden 45 Minuten, und wir wären sicher noch länger geblieben, wenn der Wind nicht noch stärker geworden wäre und ich ein mulmiges Gefühl im Bauch bekam. Lieber raus, auf eine Stunde mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht an. Am Schwimmers Beach spritzte die Gischt so hoch, dass ich es vorzug, an einem flacheren Strandabschnitt an Land zu gehen. Dennoch wurde Miyuki von einer großen Welle schön in die Kiesel gedrückt - zum Glück ohne Blessuren.

Abends noch per Bus zum Varne Ridge Caravan Park bei Folkestone, wo wir ab dem 7. August mit den Helfern untergebracht sind, und von dort über die Klippen zurückgejoggt - eine irrsinnig schöne Aussicht über den Kanal und die Weißen Klippen!

Am Dienstag 8:30 Fähre nach Calais - jetzt anfangs wieder im Sonnenschein - und mit dem Zug zurück nach Heidelberg. Ich freue mich schon riesig, wieder nach Dover zurückzukehren - der Countdown läuft immer schneller!



Eine Möve wartet auf Fütterung - sie erinnert mich an den "Ecstasy-bird" aus dem Ärmelkanal-Lied....

Montag, 30. Juni 2008

Erster Solo-Schwimm 2008 - "Non-Stop" Christian schafft es!

Die letzte Juniwoche war die erste Schwimmperiode ("Tide") in diesem Jahr, Wassertemperatur im Ärmelkanal: 14,5-15°C. Die erste erfolgreiche Überquerung schaffte eine Staffel: "Jodie's Hippos", die zugunsten einer Hirntumorstiftung schwammen. Zwei "Solisten" standen evenfalls auf der Warteliste, einer schaffte es: Christian Hübner von der "IfA Nonstop Bamberg".



Christian (Mitte) gewann das 12.Schwimmen im Züricher Hallenbad im Februar 2008 mit 34,9 km (Fotos von seinem Ärmelkanalschwimm: Link)

Ich hatte Christian "Nonstop" Hübner letztes Jahr beim Zürichsee-Marathon-Schwimmen kurz kennengelernt, wo er uns ein paar Schweizer Fränkli für Eiskrem lieh, weil wir mit Euros in Rapperswil nichts ausrichten konnten. Im Februar trafen wir uns wieder in Zürich beim 12 Stunden-Schwimmen (im Hallenbad) des Sri Chinmoy Marathon Teams, wo er mir von seinen Ärmelkanalplänen erzählte. Danach ergaben sich natürlich einige Kanal-Gespräche und Austausch von Fragen und Tips.

Christian sollte am Dienstag, den 24.6. schwimmen. Der Wetterbericht war für diesen Tag am günstigsten (trotz 9 mph, ca. 14 kmh Windgeschwindigkeit) zweite Option Donnerstag. Der Wetterbericht für Dover zeigte allerdings zunehmenden Wind für Dienstag, aus südöstlicher Richtung. Trotzdem war Christian entschlossen, die erste Gelgenheit zu nutzen. Das Wetter kann sich sehr schnell in kürzester Zeit verändern. Wenn man Pech hat, kann man erst mal gar nicht starten - dem zweiten Schwimmer, der auf Donnerstag wartete, erging es so. Im Scherz meinte Christian noch, dann könne er Donnerstag in Ruhe Fußball schauen, was dann so weitergegeben wurde, als wäre er wegen dem Fußball an diesem windigen Dienstag geschwommen (das Deutschland-Spiel ums Halbfinale war allerdings Mittwoch!). Deutscher Humor!

Am Dienstag nachmittag gegen 16 Uhr fiel mir auf einmal ein, dass Christian jetzt wahrscheinlich irgendwo im Kanal unterwegs ist. Über die Chat Group bat ich um Neuigkeiten und erhielt sofort die Meldung, dass er seit 3 Stunden auf der Stelle schwimmt, von Wind und Strömung Richtung Atlantik und New York abgetrieben wurde sozusagen. Christian hatte die Kanalgötter herausgefordert, wie er selbst sagte: nach 8 Stunden fand er, es sei ja leichter als der Zürichsee, und nach 10 Stunden meinte er, für die letzten paar Meter bräuchte er keine Futterpause mehr - die französische Küste war offenbar zum Greifen nahe. Und dann wurde es eben ernst: Strömung, hohe Wellen, Windstärke 5, weg von der Küste und hinaus in den Atlantik, vorbei an Cap Griz Nez, wo man normalerweise spätestens gelandet sein sollte.

Das Team hatte die Hoffnung für ihn schon aufgegeben, nur seine Frau glaubte noch an ihn. Und er selbst. Zwei Jahre Vorbereitung - da lohnt es sich, zur Not noch 6 Stunden auf der Stelle zu schwimmen bis die Strömung dreht. Denn das ist der Punkt: Wenn man durchhält, körperlich (Sicherheit und Gesundheit haben dabei immer Priorität!) und vor allem auch mental und nicht aufgibt, erreicht man normalerweise zwangsläufig die Küste - nur eine Frage der Zeit. Im Fall von Christian 17 Stunden 16 Minuten. Ganz herzlichen Glückwunsch! Super Spirit!

Hier ist seine ungewöhnliche Schwimmroute:



Größere Kartenansicht

und hier nochmal ein Link zu seiner Fotogallerie vom Kanal

Wie heißt es doch so schön: "Nothing great is easy"


Donnerstag, 20. März 2008

Gertrude-Ederle Award 2008 für Vijaya Claxton vom Sri Chinmoy Marathon Team


(Photo zur Verfügung gestellt von Nick Adams)

Beim jährlichen "Channel Swimmers' Dinner" vor wenigen Tagen in Dover, veranstaltet von der Channel Swimming & Piloting Federation (CS & PF), wurden zahlreiche Ärmelkanalschwimmer für ihre veschiedenen großartigen Leistungen der Saison 2007 gewürdigt und geehrt.

Unter ihnen befand sich auch Vijaya Claxton (USA), ebenfalls Mitglied des Internationalen Sri Chinmoy Marathon Teams, die den sehr speziellen Gertrude Ederle Award "für die anerkennenswerteste CS&PF Ärmelkanalüberquerung des Jahres 2007 durch eine Frau" erhielt, zusätzlich zum Cape Storm Award 2007 für den längsten Solo-Schwimm 2007. Vijaya gelang es trotz Magenproblemen und Seekrankheit, sich 22 Std. und 27 Min. gegen Wellen und Gegenströmung durchbeißen, bis sie ihr Ziel erreicht hatte. Dennoch sah sie nach dem Schwimm erstaunlich gut aus und strahlte vor innerer Zufriedenheit. Sie hatte eine Reihe von Versuchen über mehrere Jahre hinweg gebraucht, um es schließlich zu schaffen, und das bei vollberuflicher Tätigkeit in verantwortlicher Position an den Vereinten Nationen - ein leuchtendes Beispiel für die Philsophie Sri Chinmoys, niemals aufzugeben, "never give up".

Mehr über ihren Schwimm (engl.)

Freitag, 14. März 2008

Rückblick: Ärmelkanal 1985

Aktuelles zum Ärmelkanal-Triathlon 3.-6. Sept. 2010 (leider nur auf Englisch, sorry!): www.channel-triathlon.com

Beim Aufräumen im Keller fand ich vor wenigen Tagen meine "historischen" Artikel und Pressemitteilungen über das "große Event" von 1985 wieder - erste Kanalüberquerung unseres Teams, offiziell als erste deutsche Frau.

Es war 1985 eine ganz spezielle Erfahrung, mit meinem Team und mit dem Hintergrund der Meditation. Damals hatte ich gar nicht gewusst, dass Ärmelkanalschwimmen ein offizielles Event ist - für mich war es eine persönliche Herausforderung, ich wollte mir selbst und der Welt beweisen, dass man mit innerer Kraft weiter gehen kann, als man normalerweise für möglich hält, und ich wollte wissen, welche inneren Erfahrungen man dabei macht.

Die folgende Pressemitteilung von damals gibt nur einen kleinen Einblick in die innere Motivation, die Faszination und Beweggründe, die einen dazu treiben, sich auf solche Abenteuer und Herausforderungen einzulassen. Mehr dazu in späteren Beiträgen, auch aus den Erfahrungen anderer Sportler. Kommentare von Lesern des Blogs zu ihren eigenen Erfahrungen sind ausdrücklich erwünscht!

Bericht vom 17.9.1985

Erste deutsche Frau durchschwimmt den Erste deutsche Frau durchschwimmt den Ärmelkanal

Die Übersetzerin Vasanti Niemz (28 Jahre, geb. 1956) aus Heidelberg durchschwamm am 9. September als offiziell erste deutsche Frau den Ärmelkanal zwischen England und Frankreich. Sie benötigte dafür 16 Std. 55 Min. (offizielle Zeit war dann 17.01)

Die 175 cm große Sportlerin (80 kg) startete ihren Überquerungsvesuch vom Shakspeare Beach in Dover um 7.00 Uhr morgens bei wolkenlosem Himmel und beinahe Windstille. Sie erreichte Frankreich in der Dunkelheit; um 23.55 ging sie an einem sandigen Stück der französischen Küste in der Bucht von Vissant an Land. Seit dem 15. Juli hatte sie auf die richtige Kombination von Strömung, Windstärke und Wetter gewartet, um die Überquerung zu versuchen. Doch trotz der guten Wettebedingungen und der Hilfe des erfahrenen Kapitäns des Begleitbootes, Dave Whyte, zwangen die Strömungen des Kanals Vasanti Niemz zu einem s-förmigen Kurs, der die Distanz von 20 Meilen auf ca. 24 Meilen vergrößerte.

„Die ersten beiden Stunden waren am schwierigsten,“ meinte Vasanti Niemz rückblickend. „Man sieht noch nicht genau, auf was man sich da eingelassen hat, und man braucht eine Zeit, um seinen Rhythmus zu finden. Nach drei Stunden sagte mir der Bootsführer, mein Tempo sei schneller als erwartet und ich werde eventuell schon nach 12 Stunden fertig sein. Ich hatte mit ca. 16 Stunden gerechnet und wurde durch diese Möglichkeit sicher sehr stark motiviert. Nach 6 Stunden, als ich die französische Küste schon ganz deutlich beim Schwimmen erkennen konnte, wusste ich innerlich, dass ich es schaffen würde, dass es nur eine Frage der Zeit war. Auch als nach 11 Stunden die Gegenströmung stärker als erwartet einsetzte und uns entlang der Küste etwas abtrieb und man mir immer wieder sagen musste: ‚Noch 1-2 Stunden länger’, hatte ich keinerlei Probleme. Im Training war ich oft 2, 3 oder 4 Stunden geschwommen, da kamen mir 1-2 Stunden wenig vor. Als ich nach fast 17 Stunden dann endlich an einem schmalen Streifen mit sandigem Strand landen konnte, war ich natürlich froh und glücklich. Das war also der Kanal gewesen! Ich konnte überhaupt nicht einschätzen, was ich geleistet hatte. Ich fühlte mich einfach voller Frieden und ruhiger Freude.“

Wie der offizielle Beobacher der Channel Swimming Association von Folkestone (die die Überquerungen überwacht und offiziell anerkennt) in seinem Bericht notiert, hat Vasanti, abgesehen von den ersten beiden Stunden, konstant die gleiche Zahl der Kraulbewegungen pro Minute beibehalten (70). Nach 10 Stunden trägt er die Bemerkung ein: „Still smiling, still going strong. (Sie lächelt immer noch und ist immer noch stark.)“ Bei der regelmäßigen „Fütterung“ in Abständen von ca. 45 Minuten kommt der Schwimmer ganz nahe an das Boot heran und erhält in einem Plastikbecher oder einer Plastikflasche flüssige oder halbflüssige Nahrung – Vitamin- und Mineraldrinks, warme Schokolade, Babynahrung und auch mal Mars-Bars, Milky Way oder Pfirsichstücke aus der Dose herabgereicht. Dabei kann er/sie einige Worte mit den Helfern und der Crew auf dem Boot wechseln und sich aufmuntern lassen.

Vasanti schwamm als Mitglied des Sri Chinmoy Centres und Sri Chinmoy Marathon Teams, einer internationalen Gruppe von Menschen, die einen auf „self-transcendence“ ausgerichteten Lebensstil praktizieren, der körperliche Fitness, Dienst an der Gemeinschaft und Meditation verbindet. „Das bedeutet, dass wir immer wieder versuchen, ein Stück weiter zu gehen,“ erklärt Vasanti Niemz. Vor ihrer Überquerung hat sie schon an anderen Langstreckenveranstaltungen oder Ultra-Events teilgenommen und nach eigenen Worten sehr schöne Erfahrungen dabei gemacht, u.a. Marathons und 12-Stunden-Gehen. Die Kanalüberquerung siedelt sie jedoch auf einer noch höheren Ebene körperlicher und mentaler Leistung an. Wenn es Zeit und Geld erlauben, möchte sie in den kommenden Jahren etwas noch Größeres anstreben: einen Ärmelkanal-Triathlon.

Einen Tag nach ihrer erfolgreichen Überquerung schaffte es auch ein Team-Kollege von Vasanti Niemz, der Amerkaner Adhirata Keefe, den Kanal zu durchschwimmen - in 14 Stunden 51 Minuten, als zweiter des Teams. Der 28-jährige Adhiratha Keefe ist der Leiter des „Record Management“ der UNICEF an den Vereinten Nationen und ebenfalls ein Ultra-Läufer. Beide haben erst im April mit dem Kanal-Training begonnen – normalerweise trainieren Kanalschwimmer ein bis zwei Jahre für die Überquerung. Neben täglichem 2-3-stündigem Training gehörten längere Distanzen – ein 12-Meilen- und ein 18-Meilen Testschwimmen im 4-Wochen-Abstand – mit zum Programm.

„Als ich diese beiden Distanzen nach so kurzer Trainingszeit schaffen konnte,“ meinte Vasanti, „hatte ich das Vertrauen, auch den Kanal schaffen zu können. Die Wartezeit in Dover und 2 Wochen Training am Jones Beach in Long Island rundeten meine Vorbereitung ab.“ Sie ist sicher, dass ihre langjährige Meditationserfahrung und die innere Unterstützung durch ihr Team auch ausschlaggebend für die gefühlte Leichtigkeit ihres Unternehmens war: „Der geistige Faktor spielt eine sehr große Rolle bei solchen langen Distanzen. Wenn man eine positive Haltung hat, Vertrauen und Entschlossenheit, und sich aus den Gedanken lösen kann, dann hat man leichteren Zugang zu dieser inneren Quelle der Kraft, die man oft erst nach einer großen Ermüdungsphase erreicht und deren Erfahrung von Sportlern allgemein als so überwältigend empfunden wird. Wenn man zu stark mit seinen Gedanken beschäftigt und unfähig ist, sich zu konzentrieren, dringt man gar nicht zu dieser Erfahrung durch. Hier kann übrigens auch die Konzentration auf ein Mantra helfen.“

Ein Geheimnis hat Vasanti noch: Musik. Schon beim 12 Stunden-Gehen in New York machte sie die Erfahrung, wie stark Musik Kraft geben und Ermüdung und Schmerzen auslöschen kann. Für die Kanalüberquerung hatte ihr Meditationslehrer Sri Chinmoy eigens ein Lied zur Inspiration komponiert, und besonders eine Zeile davon sang sie während der Überquerung ständig im Stillen vor sich hin: „Within my heart and before my eyes ecstasy-bird speedily flies.“ – Bis das Lied sich von selbst sang, wie sie es ausdrückt.

Bis heute (Stand 17.9.1985!) haben ca. 250 Personen den Ärmelkanal erfolgreich durchquert, viele von ihnen mehrere Male. Knapp 500 Überquerungen haben ingesamt stattgefunden, jedoch weit mehr Versuche: die Erfolgsquoet lag 1974 bei 25 %! 1/3 der erfolgreichen Überquerungen wurden von Frauen ausgeführt. Es heißt, dass die Erfolgsquote bei den Frauen in der letzten Zeit erstaunlich hoch war, und man führt das unter anderem darauf zurück, dass Frauen angeblich zäher und belastbarer sind und auch durch ihr natürliches Unterhautfettgewebe besser gegen die Kälte gewappnet sind als Männer. Als Regel muss man übrigens sagen, dass ein Kanalschwimmer mindestens 10 Pfund Übergewicht (besser 10 kg) mitbringen sollte, um die niedrigen Wassertemperaturen auszuhalten (1985 waren es 55 Grad Fahrenheit, ca. 13.5 Grad Celsius).

Sri Chinmoy, der Vasanti Niemz vor ihrer Rückkehr nach Deutschland nach New York eingeladen hatte, gab den beiden Kanalschwimmern einen herzlichen Empfang. „Ihr seid eine große Inspiration für uns alle,“ sagte er. Und auch er schien schon an weitere Unternehmen zu denken: „Was gestern unmöglich schien, wurde zur Wirklichkeit von heute,“ kommentierte er. „Und diese Wirklichkeit muss wiederum transzendiert werden, denn die Botschaft, die wir der Welt anerbieten, ist die der Selbsttranszendenz, des Über-Sich-Selbst-Hinauswachsens.“ Dies sei eine besondere Art der Vervollkommnung und ein anderes Wort für innere Erfüllung. Vielleicht also tatsächlich eine neue Herausforderung im nächsten Jahr?

Anmerkung: seit 1985 haben 36 Schwimmer des Sri Chinmoy Marathon Teams die Herausforderung geschafft - und die Tradition wird fortgesetzt....
Anmerkung 2: Infolge der Erderwärmung hat der Ärmelkanal inzwischen im August/September "angenehme" 18 Grad.