Nur ganz kurz - mehr später:
Ist er zu stark, bist du zu schwach! Nach 13 Stunden 40 Minuten musste ich aus dem Wasser geholt werden, weil Unterkühlung (blaue Lippen, unklare Aussprache, Verlangsamung des Schwimmens) drohte, die lebensgefährlich sein kann. Der Schwimm durch die Nacht selbst war kein Problem: die Wellen halfen die meiste Zeit, es war sehr friedlich, das Begleitboot gab Sicherheit, aber die kalte Luft (15°C, Wasse17°C) verstärkte den Kälteeffekt des Wassers - und ich war 7 kg leichter als 1985 und ein paar Jährchen älter. Beim Hafentraining bei Tage war die Kälte kein Problem gewesen, auch nicht bei 7-Stunden-Schwimms.
Anyway - ganz, ganz herzlichen Dank an alle, die mich unterstützt, für uns gebetet und an uns gedacht haben!
Das Projekt geht weiter, es war eine Erfahrung auf dem Weg zum Ziel! Der Kanal wird immer da sein, heißt es in Dover.
Meine Helfer, die uns mit dem Van in Calais abholten, halfen mir, das Ganze gut zu verarbeiten und happy gemeinsam nach Hause zu fahren. Wir planen schon für nächstes Jahr!
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Samstag, 13. September 2008
Mittwoch, 3. September 2008
Zurück nach Dover für die Tide vom 7.-12. Sept.
Mehr auf: www.channel-triathlon.blogspot.com
Nach ein paar intensiven letzten Trainingseinheiten - einem 200 km Bike-Ride am 24.8. Richtung Nürnberg zur Geburtstagsfeier meiner Mutter und einem letzten Wochenende mit zwei 7-Std.-Schwimms im See am 30./31.8. (Fotos) - mache ich mich jetzt bereit, am Sonntag wieder nach Dover zurück zu kehren, um hoffentlich gegen Ende dieser Tide, um den 10./11./12. eine Schwimm-Chance zu bekommen. Alle anderen Triathlon-Vorbereitungen werden auf den letzten Stand gebracht (Automiete, Food, Helfer etc.)
Alison. mein "pilot", hat noch eine Staffel und 2 Schwimmer vor mir, aber sie würde mir helfen, einen Ausweich-Piloten zu finden, wenn es eng wird.
Im Moment schaut es nicht besonders gut aus, bis Montag wird wohl keiner schwimmen können, ein Tief hängt fest über England, und die Hochdruckgebiete, die immer wieder versuchen, von Südwesten nach oben zu gelangen, werden ständig abgedrängt. Aber wer weiß - oft ändert sich das Wetter innerhalb weniger Tage, und dann heißt es, bereit zu sein, sonst ist die Chance verpasst.

Wetterkarte für Samstag, den 6.9., offiziell erster Tag der nächsten Tide: ein Hochdruckgebiet ist wieder mal in den Startlöchern, aber ob es sich gegen die Tiefs von drei Seiten durchsetzen kann, und wenn ja, für wie lange, das ist die Frage!
Was, wenn es jetzt nicht klappt? 21.-27. Sept. wäre noch eine Tide, aber daran möchte ich jetzt nicht denken. Die Nächte werden länger - ungünstig fürs Biken, das ca. 40-45 Stunden dauern wird, mit Pausen etc., die Frage der Helfer würde sich neu stellen, das Kältetraining geht noch mehr verloren, die Geschichte würde noch teurer werden und irgendwann sollte ich mich auch wieder mehr aufs Arbeiten konzentrieren!
Bitte Daumen drücken! Nächster Eintrag wahrscheinlich von Dover, wenn man mehr über die folgenden Tage sagen kann.
Nach ein paar intensiven letzten Trainingseinheiten - einem 200 km Bike-Ride am 24.8. Richtung Nürnberg zur Geburtstagsfeier meiner Mutter und einem letzten Wochenende mit zwei 7-Std.-Schwimms im See am 30./31.8. (Fotos) - mache ich mich jetzt bereit, am Sonntag wieder nach Dover zurück zu kehren, um hoffentlich gegen Ende dieser Tide, um den 10./11./12. eine Schwimm-Chance zu bekommen. Alle anderen Triathlon-Vorbereitungen werden auf den letzten Stand gebracht (Automiete, Food, Helfer etc.)
Alison. mein "pilot", hat noch eine Staffel und 2 Schwimmer vor mir, aber sie würde mir helfen, einen Ausweich-Piloten zu finden, wenn es eng wird.
Im Moment schaut es nicht besonders gut aus, bis Montag wird wohl keiner schwimmen können, ein Tief hängt fest über England, und die Hochdruckgebiete, die immer wieder versuchen, von Südwesten nach oben zu gelangen, werden ständig abgedrängt. Aber wer weiß - oft ändert sich das Wetter innerhalb weniger Tage, und dann heißt es, bereit zu sein, sonst ist die Chance verpasst.

Wetterkarte für Samstag, den 6.9., offiziell erster Tag der nächsten Tide: ein Hochdruckgebiet ist wieder mal in den Startlöchern, aber ob es sich gegen die Tiefs von drei Seiten durchsetzen kann, und wenn ja, für wie lange, das ist die Frage!
Was, wenn es jetzt nicht klappt? 21.-27. Sept. wäre noch eine Tide, aber daran möchte ich jetzt nicht denken. Die Nächte werden länger - ungünstig fürs Biken, das ca. 40-45 Stunden dauern wird, mit Pausen etc., die Frage der Helfer würde sich neu stellen, das Kältetraining geht noch mehr verloren, die Geschichte würde noch teurer werden und irgendwann sollte ich mich auch wieder mehr aufs Arbeiten konzentrieren!
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Dienstag, 15. Juli 2008
12./13.Juli; 13 h Silbersee (7+6)
Der erste "split Channel swim" - 7 Stunden in Wind und Wellen, 6 h im ruhigen See (+ 3 h bike)

Endlich - der erste "split Channel swim", wie man in Dover sagt. Bei mir evtl. nicht ganz zutreffend, ich werde wohl etwas länger als 13 h im Kanal herumschwimmen - aber wenn man schon soviel dafür bezahlt, muss es ja nicht so schnell vorbei sein! Wichtig nur, rechtzeitig fit genug zu werden, um es gut durchzustehen. Und dafür sind die long swims sehr wichtig. Meine körperlichen Grenzen sind, wie bei vielen, Schultern und Ellebogen - wenn ich zuviel machen will, Krafttraining, Intervall etc. , handle ich mir Entzündungen und Schmerzen ein. Man muss einen Mittelweg finden. Zudem habe ich drei Disziplinen (Laufen sehr vernachlässigt) und arbeite auch noch ein bisschen....
Samstag 12.7.
Nach nur 2 x 45 Min. Schwimmen am Montag in Dover, und am Mittwoch im Pool (Dienstag Reise, Do eingeschlafen, Freitag Kiesertraining, evtl. sogar zuviel) und großer Müdigkeit die ganze Woche über, hatte ich mir wieder ein Intensiv-Wochenende am Silbersee vorgenommen: 7 und 6 Stunden.
Auf der Fahrt dorthin fühlte ich mich so schlapp - konnte mir nicht vorstellen, wie es funktionieren soll. Mir kam Sri Aurobindos Spruch in den Sinn: "All can be done when the God-touch is there," und ich wiederholte ihn für mich einige Zeit. Bei Ultras erfährt man immer wieder, dass es eine innere oder höhere Kraft gibt, aus der man schöpfen kann, wenn man schon längst glaubt, physisch an der Grenze zu sein. Das ist das Faszinierende daran.
Am See war es windig wie noch nie - sogar in der ersten geschützteren Seehälfte musste man gegen die Wellen anschwimmen. Super-Training für Kanal-Bedingungen. Die ersten 2 Std. waren mental wieder die schwierigsten, bis der "Flow" langsam kommt und die Freude an der Bewegung. Keine Sonne am Anfang, zum Glück aber auch nicht der vor 2 Tagen noch angekündigte Regen, und am liebsten wäre ich zurück ins Bett, Noch soviele Stunden Arbeit vor mir! Wasser ca. 20-21°C (trotzdem hie und da Frösteln!)
Nach 4 h schon Kältegefühl - wie hatte das in Dover am Sonntag funktioniert! Mehr Endorphine? Kurze Pause, trockener Badeanzug und kurzes Aufwärmen in der Sonne, die jetzt öfter rauskam.
Ich dachte viel an Dover und die Schwimmer dort, die auch 7/6 h-Schwimms vorhatten, bei 16°C! Gegen Ende der 7 h kam die Sonne voll durch, die Luftblasen beim Eintauchen der Arme wirkten wie glitzernder Sternenstaub. Ich liebe es, die Schönheit der Elemente mit zunehmender Schwimmdauer intensiver zu erleben. Und war sehr dankbar, die 7 h durchgehalten zu haben.
Meine rechte Schulter allerdings hatte begonnen, so weh zu tun, dass Rückenschwimmen, das ich zum Ausschwimmen für einige Meter meist mache, nicht mehr möglich war. Oh-oh! Wie soll das morgen werden!
Abends Pferdesalbe drauf (auch für Menschen gut) mit Arnika, Kampfer etc., homöopathisches Arnika, Vitamin C, Licht-Visualisation etc. Schaun mer mal!
Sonntag, 13.7.
Todmüde aufgewacht, draußen regnet es! Ich finde die Regenhose nicht und habe eine gute Ausrede, den späteren Zug zu nehmen. Wegen Gleisbauarbeiten am Wochenende 1 h Bike von Mannheim nach Roxheim, jetzt kommt die Sonne schon raus und der Energielevel steigt.
Am See leicht gekräuselte Oberfläche, Sonne, aber ich habe keine Lust ins Wasser zu gehen. 6 h - muss das sein? Sitze lange am Ufer, aber es hilft nichts. An die Arbeit - schließlich wollen wir am Abend zufrieden sein und außerdem in Frankreich ankommen, versuche ich mich selbst zu motivieren. Außerdem ist dieses Wetter wie ein Geschenk. Ich beruhige meinen Verstand indem ich ihm sage, auf jeden Fall drei Stunden, dann können immer noch biken gehen.
Erstaunlich: sobald ich im Wasser war, fühlte es sich gut an und ich war sicher, ich würde 6 h schaffen, in den üblichen 2-Stunden-Sets. Die Schulter war o.k.. Während der ersten 30 Min. waren die Arme natürlich steif von gestern und ich fühlte mich noch schlapp, aber dann kam die Energie wieder. Das Wasser war zum Glück sehr ruhig - nochmal 6 h Wellen wäre im Moment evtl. zuviel gewesen.

Schwimmen mit den Schwänen (Foto zwar vom Bodensee, aber am Sonntag hatte ich mehrfach Schwanbegleitung auf dem Silbersee)
Ich zählte 8., 9., 10. Stunde statt 1-2-3 etc., dachte an Dover und die Schwimmer, die heute gestartet waren und im Kanal unterwegs waren. Trotzdem schleppten sich die ersten 4 Stunden, mir wurde wieder kalt. Ich gönnte mir eine 15 minütige Cappuchino-Pause in der Sonne (mit Brezel und Eiwaffeln), genoss den Blick über den See, und als ich wieder losschwamm, war auf einmal die Freude wieder da! Die letzten 2 Stunden waren wieder die "einfachsten", der Druck war weg, man freut sich, es fast geschafft zu haben und legt nochmal zu, genießt Sonne, Himmel, Wasser. Witzigerweise meldete sich immer wieder mal die linke Schulter (statt der rechten), zeitweise lahmte meine linke Hand etwas - irgendein Nerv oder Energie-Ungleichgewicht, aber solche Dinge kommen und gehen. Ich versuche dann, bewusste gute Energie in die betreffenden Körperstellen zu senden, schaden tut es jedenfalls nicht.
13 Stunden geschafft - ich war so dankbar! Nächste Woche sind noch ein langer Schwimm und ein long bike geplant, übernächste Woche in Dover dann der nächste 7/6-Stunden-Schwimm unter verschärften Bedingungen. (Ab 24. 7. bin ich drüben zum Akklimatisieren.)
Laufen und Biken stand in der letzten Zeit ein bisschen im Hintergrund, weil der Kanal absolute Priorität hat - wenn ich es erstmal nach Calais schaffe, sollte der Rest nur eine Frage der Zeit sein, und da gibt es keinen Cut-off! Für mich ist die Endzeit nicht wichtig - es ist mehr eine innere Reise, vielleicht eine Art Jakobsweg meinte meine Schwester. Eine Dame aus Deal, Frau eines Schwimmtrainers, mit der ich in Dover am Wochenende ins Gespräch kam, meinte zur Motivation der meisten Ärmelkanalschwimmer: "It's a quest" - eine innere Suche. Ein schöner Ausdruck, erinnert an die indianische "vision quest - Visionssuche". Und viele sagen, der Ärmelkanal ist eine Erfahrung, die ihr Leben verändert hat.
Montag/Dienstag:
2 + 3 h bike Schönau/Weinheim, 1 h Schwimmen im Waidsee am Di.

Endlich - der erste "split Channel swim", wie man in Dover sagt. Bei mir evtl. nicht ganz zutreffend, ich werde wohl etwas länger als 13 h im Kanal herumschwimmen - aber wenn man schon soviel dafür bezahlt, muss es ja nicht so schnell vorbei sein! Wichtig nur, rechtzeitig fit genug zu werden, um es gut durchzustehen. Und dafür sind die long swims sehr wichtig. Meine körperlichen Grenzen sind, wie bei vielen, Schultern und Ellebogen - wenn ich zuviel machen will, Krafttraining, Intervall etc. , handle ich mir Entzündungen und Schmerzen ein. Man muss einen Mittelweg finden. Zudem habe ich drei Disziplinen (Laufen sehr vernachlässigt) und arbeite auch noch ein bisschen....
Samstag 12.7.
Nach nur 2 x 45 Min. Schwimmen am Montag in Dover, und am Mittwoch im Pool (Dienstag Reise, Do eingeschlafen, Freitag Kiesertraining, evtl. sogar zuviel) und großer Müdigkeit die ganze Woche über, hatte ich mir wieder ein Intensiv-Wochenende am Silbersee vorgenommen: 7 und 6 Stunden.
Auf der Fahrt dorthin fühlte ich mich so schlapp - konnte mir nicht vorstellen, wie es funktionieren soll. Mir kam Sri Aurobindos Spruch in den Sinn: "All can be done when the God-touch is there," und ich wiederholte ihn für mich einige Zeit. Bei Ultras erfährt man immer wieder, dass es eine innere oder höhere Kraft gibt, aus der man schöpfen kann, wenn man schon längst glaubt, physisch an der Grenze zu sein. Das ist das Faszinierende daran.
Am See war es windig wie noch nie - sogar in der ersten geschützteren Seehälfte musste man gegen die Wellen anschwimmen. Super-Training für Kanal-Bedingungen. Die ersten 2 Std. waren mental wieder die schwierigsten, bis der "Flow" langsam kommt und die Freude an der Bewegung. Keine Sonne am Anfang, zum Glück aber auch nicht der vor 2 Tagen noch angekündigte Regen, und am liebsten wäre ich zurück ins Bett, Noch soviele Stunden Arbeit vor mir! Wasser ca. 20-21°C (trotzdem hie und da Frösteln!)
Nach 4 h schon Kältegefühl - wie hatte das in Dover am Sonntag funktioniert! Mehr Endorphine? Kurze Pause, trockener Badeanzug und kurzes Aufwärmen in der Sonne, die jetzt öfter rauskam.
Ich dachte viel an Dover und die Schwimmer dort, die auch 7/6 h-Schwimms vorhatten, bei 16°C! Gegen Ende der 7 h kam die Sonne voll durch, die Luftblasen beim Eintauchen der Arme wirkten wie glitzernder Sternenstaub. Ich liebe es, die Schönheit der Elemente mit zunehmender Schwimmdauer intensiver zu erleben. Und war sehr dankbar, die 7 h durchgehalten zu haben.
Meine rechte Schulter allerdings hatte begonnen, so weh zu tun, dass Rückenschwimmen, das ich zum Ausschwimmen für einige Meter meist mache, nicht mehr möglich war. Oh-oh! Wie soll das morgen werden!
Abends Pferdesalbe drauf (auch für Menschen gut) mit Arnika, Kampfer etc., homöopathisches Arnika, Vitamin C, Licht-Visualisation etc. Schaun mer mal!
Sonntag, 13.7.
Todmüde aufgewacht, draußen regnet es! Ich finde die Regenhose nicht und habe eine gute Ausrede, den späteren Zug zu nehmen. Wegen Gleisbauarbeiten am Wochenende 1 h Bike von Mannheim nach Roxheim, jetzt kommt die Sonne schon raus und der Energielevel steigt.
Am See leicht gekräuselte Oberfläche, Sonne, aber ich habe keine Lust ins Wasser zu gehen. 6 h - muss das sein? Sitze lange am Ufer, aber es hilft nichts. An die Arbeit - schließlich wollen wir am Abend zufrieden sein und außerdem in Frankreich ankommen, versuche ich mich selbst zu motivieren. Außerdem ist dieses Wetter wie ein Geschenk. Ich beruhige meinen Verstand indem ich ihm sage, auf jeden Fall drei Stunden, dann können immer noch biken gehen.
Erstaunlich: sobald ich im Wasser war, fühlte es sich gut an und ich war sicher, ich würde 6 h schaffen, in den üblichen 2-Stunden-Sets. Die Schulter war o.k.. Während der ersten 30 Min. waren die Arme natürlich steif von gestern und ich fühlte mich noch schlapp, aber dann kam die Energie wieder. Das Wasser war zum Glück sehr ruhig - nochmal 6 h Wellen wäre im Moment evtl. zuviel gewesen.

Schwimmen mit den Schwänen (Foto zwar vom Bodensee, aber am Sonntag hatte ich mehrfach Schwanbegleitung auf dem Silbersee)
Ich zählte 8., 9., 10. Stunde statt 1-2-3 etc., dachte an Dover und die Schwimmer, die heute gestartet waren und im Kanal unterwegs waren. Trotzdem schleppten sich die ersten 4 Stunden, mir wurde wieder kalt. Ich gönnte mir eine 15 minütige Cappuchino-Pause in der Sonne (mit Brezel und Eiwaffeln), genoss den Blick über den See, und als ich wieder losschwamm, war auf einmal die Freude wieder da! Die letzten 2 Stunden waren wieder die "einfachsten", der Druck war weg, man freut sich, es fast geschafft zu haben und legt nochmal zu, genießt Sonne, Himmel, Wasser. Witzigerweise meldete sich immer wieder mal die linke Schulter (statt der rechten), zeitweise lahmte meine linke Hand etwas - irgendein Nerv oder Energie-Ungleichgewicht, aber solche Dinge kommen und gehen. Ich versuche dann, bewusste gute Energie in die betreffenden Körperstellen zu senden, schaden tut es jedenfalls nicht.
13 Stunden geschafft - ich war so dankbar! Nächste Woche sind noch ein langer Schwimm und ein long bike geplant, übernächste Woche in Dover dann der nächste 7/6-Stunden-Schwimm unter verschärften Bedingungen. (Ab 24. 7. bin ich drüben zum Akklimatisieren.)
Laufen und Biken stand in der letzten Zeit ein bisschen im Hintergrund, weil der Kanal absolute Priorität hat - wenn ich es erstmal nach Calais schaffe, sollte der Rest nur eine Frage der Zeit sein, und da gibt es keinen Cut-off! Für mich ist die Endzeit nicht wichtig - es ist mehr eine innere Reise, vielleicht eine Art Jakobsweg meinte meine Schwester. Eine Dame aus Deal, Frau eines Schwimmtrainers, mit der ich in Dover am Wochenende ins Gespräch kam, meinte zur Motivation der meisten Ärmelkanalschwimmer: "It's a quest" - eine innere Suche. Ein schöner Ausdruck, erinnert an die indianische "vision quest - Visionssuche". Und viele sagen, der Ärmelkanal ist eine Erfahrung, die ihr Leben verändert hat.
Montag/Dienstag:
2 + 3 h bike Schönau/Weinheim, 1 h Schwimmen im Waidsee am Di.
Mittwoch, 2. Juli 2008
28./29. Juni - Wind und Wellen am Silbersee - 7 & 5 Std.
Und wieder eine Regatta...

Am liebsten wäre ich wieder zum Bodensee gefahren, der Wellen und des kühleren Wassers wegen, aber es war zu kompliziert und wäre insgesamt recht teuer geworden, vor allem für einen Long Swim - Bahn, Boot, Helfer aus Zürich - und die Wassertemperatur am Bodensee war in den letzten Tagen auch beträchtlich gestiegen.
Über Google nach kalten Seen gesucht - aber alle sind zu weit weg. Der Aufwand lohnt nicht, da am nächsten Wochenende 3 Tage Dover geplant sind - um langsam den Ernst der Sache zu begreifen und die ersten Trainingseinheiten im 15-16°C kalten Channel-Wasser zu absolvieren. Ich freue mich riesig darauf!
Für den Silbersee in Roxheim waren Wind und Wellen angekündigt, die Woche hatte es geregnet, kühle Nächte und tagsüber nicht allzu warm, wäre sicher kein schlechtes Training, dazu könnte ich früher starten und länger bleiben, sogar ohne Helfer. Also: warum in die Ferne schweifen?
Ursprünglich hatte ich einen langen Schwimm für Samstag und eine lange Radeinheit für Sonntag geplant. Doch im Moment spüre ich, dass der Kanal absolute Priorität braucht. Wenn ich erst mal in Calais bin, geht es schon irgendwie weiter. Also: Rad auf 2 Wochen später verschoben, dafür 7 und 5 Stunden geplant, wenn möglich auch mehr.
Samstag zum ersten Mal schon auf den 6:54-Zug, gegen 9 Uhr am See, mutterseelenallein. Himmel bedeckt, Wasser kühl. Überhaupt keine Lust, ins Wasser zu gehen. Erstmal Langhalsgänse und ihre 12 Jungen füttern gehen, am Ufer ein Stück Erkundungsspaziergang. Umziehen und Frühstück (Vollkornhafer-Babybrei). Kurz vor 10 Uhr ins Wasser. Bei den ersten beiden Runden kommen denke ich immer wieder "Muss das sein? Wie schön wäre es jetzt zuhause auf dem Sofa - einen Tag mal ausruhen und morgen dafür einen ultralangen Schwimm... Haha!" Ein anderer Teil in mir weiß, dass das Unsinn ist - zuhause wäre ich keinesfalls glücklich, hier ist der Ort, wo ich im Moment an der richtigen Stelle bin und meinen "Job" machen muss, bzw. darf - wenn mir der Kanal ernst ist. Außerdem - hier muss ich schon lächeln - wie würde das im Blog klingen!
Also weiter - auch wenn Motivation und Inspiration noch schlafen (positiv formuliert). Nach jeder Stunde (= Runde) gönne ich mir kurz eine Pause für einen Schluck süßen Tee oder einen Snack. Versuche mich die erste, schwierige Zeit auf irgendeine spirituelle Eigenschaft zu konzentrieren, bleibe bei "Licht" hängen, und wiederhole das Wort beim Schwimmen im lichtlosen Morgen.
Bei der dritten Runde frischt der Wind auf - jetzt fängt es an, Spaß zu machen, mit der größeren Anstrengung kommt der Flow.
Bei Runde 4 - ich genieße gerade das erste Sonnenglitzern auf den Wellen, die z.T. sogar Schaumkronen ("white horses") tragen - kommen die Windsurfer, und auf dem Rückweg fährt ein Motorboot an mich heran um mir mitzuteilen, dass ich mitten durch eine Regatta schwimme. Ob ich mich nicht etwas mehr am Ufer halten kann?
Zuerst fühle ich mein ganzes Programm durcheinander gebracht - gerade den zweiten Teil des Sees, wo der Wind freie Bahn hat, nicht schwimmen zu können, wie ärgerlich! Wo das Wellen-Training jetzt so wichtig wäre, und so Spaß macht! Dann versuche ich es einfach. Ab der Hälfte schwimme ich am Ufer entlang zu meinen "goldenen Strand", Surfer kommen mir kaum in die Quere, und in Ufernähe ist es genauso wellig. Beim Rückweg wieder Sonnentanz auf den Wellen - ich tauche völlig ein in eine Licht-Wasser-Welt.
Die neue Route macht sogar Spaß - mir wird wieder bewusst, wie gut es tun kann, aus einer Routine auszubrechen, Neues zu entdecken. Im Yoga geht es auch darum, nicht an Dingen/Personen/Situationen zu haften - aber Loslassen, ohne Angst oder Ärger, ist immer ein Stück Überwindung, die aber meist belohnt wird.
Die Taktik war: 5 Runden/Stunden, dann noch 2 drauf. Am Ende der 6. Runde wieder das gute Gefühl: Kanal-Mitte. Aber dann großer Kampf: Ein Teil in mir sagt: "Das reicht jetzt, den Rest machen wir morgen." Die Wellen sind spürbar in Arme und Schultern gegangen, ich fröstle immer wieder. Ein anderer Teil in mir spürt, das das Kneifen wäre. Ich wechsle in einen trockenen Badeanzug, mache Pause, wärme mich auf. Die Sonne strahlt warm, Kinder tollen und lachen im Wasser - jetzt nach Hause gehen? Nein. Kurze Überwindung, und los geht es. Das Wasser fühlt sich kühler an als am Morgen, obwohl es sicher wärmer ist. Dennoch: Die 7. Stunde ist wieder die schönste, die Regatta ist vorbei, ich habe freie Bahn, es fließt. Auf dem Rückweg bin ich jedoch froh, fertig zu sein. Eine 8. Runde ist heute definitiv nicht drin, zudem will ich rechtzeitig nach Hause für ein Abendtreffen und noch Kraft für Sonntag aufheben. Mit dem Rad geht es noch 1 Stunde über die Sommerfelder nach Mannheim.
Sonntag erst kurz vor 11 Uhr ins Wasser (nach 1 h Fahrrad von Mannheim, abends auch 1 h zurück). Die Arme sind so schwer, dass ich das Gefühl habe zu kriechen oder in Zeitlupe zu schwimmen. Nach kurzer Zeit jedoch beginnt es schon wieder zu fließen und ein Gefühl von Kraft und Energe stellt sich ein. Heute ist es windstill, keine Surfer mehr, auch die Sonne ist schon da.
Ich zähle nicht erste, zweite, dritte Runde, sondern achte, neunte, zehnte....
Bei der 3. Runde wieder schwere Arme - an mehr als 5 h ist sicher nicht zu denken. Nach einer längeren Pause mit Wechsel in einen trockenen Badeanzug und kurzem Aufwärmen (Wasser ist ca 20 °C) kommt bei der nächsten Runde wieder die Power. Ich muss an den Satz von Sri Chinmoy denken "We are truely unlimited ... - wir sind in Wahrheit unbegrenzt, wenn wir es wagen und daran glauben."
Zweimal komme ich bei meinen Pausen mit den DLRG-Helfern ins Gespräch, bei denen ich inzwischen bekannt bin. Angenehme Pausenverlängerung. Dafür macht das Schwimmen danach wieder mehr Spaß. Die letzten beiden Runden strahlt die Sonne so ins Wasser, dass es scheint, als kämen die Lichtsstrahlen aus der Tiefe - man fühlt sich wie in einem Meer von Licht, ein wunderbares Gefühl, das ich auch damals im Kanal lange Zeit hatte.
Eine 6. Runde ist jedoch nicht mehr drin. Wenn es sein müsste, ginge es natürlich, aber ich habe kein gutes Gefühl, meinen Körper zu pushen. Auch wenn 13 gut klingen würde - 12 Stunden für das Wochenende sind auch nicht schlecht.
Ich hatte beim Schwimmen viel zurückgedacht an 1985, als ich Ende Juni meinen letzten langen Trainingsschwimm vor Dover hier absolviert hatte: 12 h an einem Tag! Mit einer Freundin waren wir gegen 5 Uhr in Heidelberg mit dem Auto losgefahren. Der See lag in einer wunderbaren stillen Morgenstimmung mit spiegelglattem Wasser, und ich probierte das erste Mal den "Channel Grease" aus, eine Mischung aus Lanolin und Paraffin, die etwas vor Kälte schützt aber extrem klebrig ist. In meiner Unerfahrenheit trug ich den Grease auf den Badeanzug auf, der daraufhin im kalten Wasser, wo das Fett fest wurde und die Elastizität des Stoffs aufhob, wie ein Bremsballon an meinem Körper hing. Daraufhin musste meine Freundin zurückfahren und einen anderen Badeanzug holen, während ich schon mal allein die erste Runde ohne schwamm - allein in dieser wunderschönen Morgenstimmung. Später kamen dann noch weitere Mitglieder von unserem Team zum rudern und schwimmen, den meisten war es aber schnell zu kalt (damals war es sicher nicht mehr als 17/18 Grad). Es war wie ein Familienausflug.
Die 12 Stunden von diesem Wochenende widmete ich innerlich dieser Freundin, die nach einer Hirntumor-Erkrankung vor einigen Monaten dieser Welt Lebewohl gesagt hat. Ich hatte das Gefühl, sie sei wieder dabei gewesen. Und musste daran denken, wie wichtig es ist, sich nicht von seinen Träumen und Zielen abbringen zu lassen - niemand weiß, wieviel Zeit er hier auf der Erde zur Verfügung hat!
Jetzt freue ich mich riesig auf Dover. Freitag (4.7.) früh geht es los, mit Zug und Fähre, Dienstag zurück. Ziel: soviel Schwimmtraining im Hafen wie möglich, besser einschätzen können wo ich stehe, das Boot begutachten und ein paar Dinge mit dem Piloten klären, und letztlich noch etwas Intensität für die letzte Zeit der Vorbereitung gewinnen.
P.S.: Sonntag abend natürlich noch das Fußball-EM-Finale geschaut. Hatte auf Spanien getippt und war happy, dass das beste Team des Turniers auch gewann. Vize-Europameister ist ja auch eine Super-Leistung!
(Witzig: Als ich am Dienstagabend nach dem Schwimmtraining im Freibad durch Bammental fuhr, kam gerade Bundestrainer-Assistent Hansi Flick von seinem großen Empfang aus dem Rathaus, und ich konnte es mir nicht verkneifen, inmitten einer Horde von Kindern auch ein Autogramm zu holen - immerhin hat die TSG Hoffenheim während seiner Zeit als Trainer dort auch beim World Harmony Run mitgemacht!)

Am liebsten wäre ich wieder zum Bodensee gefahren, der Wellen und des kühleren Wassers wegen, aber es war zu kompliziert und wäre insgesamt recht teuer geworden, vor allem für einen Long Swim - Bahn, Boot, Helfer aus Zürich - und die Wassertemperatur am Bodensee war in den letzten Tagen auch beträchtlich gestiegen.
Über Google nach kalten Seen gesucht - aber alle sind zu weit weg. Der Aufwand lohnt nicht, da am nächsten Wochenende 3 Tage Dover geplant sind - um langsam den Ernst der Sache zu begreifen und die ersten Trainingseinheiten im 15-16°C kalten Channel-Wasser zu absolvieren. Ich freue mich riesig darauf!
Für den Silbersee in Roxheim waren Wind und Wellen angekündigt, die Woche hatte es geregnet, kühle Nächte und tagsüber nicht allzu warm, wäre sicher kein schlechtes Training, dazu könnte ich früher starten und länger bleiben, sogar ohne Helfer. Also: warum in die Ferne schweifen?
Ursprünglich hatte ich einen langen Schwimm für Samstag und eine lange Radeinheit für Sonntag geplant. Doch im Moment spüre ich, dass der Kanal absolute Priorität braucht. Wenn ich erst mal in Calais bin, geht es schon irgendwie weiter. Also: Rad auf 2 Wochen später verschoben, dafür 7 und 5 Stunden geplant, wenn möglich auch mehr.
Samstag zum ersten Mal schon auf den 6:54-Zug, gegen 9 Uhr am See, mutterseelenallein. Himmel bedeckt, Wasser kühl. Überhaupt keine Lust, ins Wasser zu gehen. Erstmal Langhalsgänse und ihre 12 Jungen füttern gehen, am Ufer ein Stück Erkundungsspaziergang. Umziehen und Frühstück (Vollkornhafer-Babybrei). Kurz vor 10 Uhr ins Wasser. Bei den ersten beiden Runden kommen denke ich immer wieder "Muss das sein? Wie schön wäre es jetzt zuhause auf dem Sofa - einen Tag mal ausruhen und morgen dafür einen ultralangen Schwimm... Haha!" Ein anderer Teil in mir weiß, dass das Unsinn ist - zuhause wäre ich keinesfalls glücklich, hier ist der Ort, wo ich im Moment an der richtigen Stelle bin und meinen "Job" machen muss, bzw. darf - wenn mir der Kanal ernst ist. Außerdem - hier muss ich schon lächeln - wie würde das im Blog klingen!
Also weiter - auch wenn Motivation und Inspiration noch schlafen (positiv formuliert). Nach jeder Stunde (= Runde) gönne ich mir kurz eine Pause für einen Schluck süßen Tee oder einen Snack. Versuche mich die erste, schwierige Zeit auf irgendeine spirituelle Eigenschaft zu konzentrieren, bleibe bei "Licht" hängen, und wiederhole das Wort beim Schwimmen im lichtlosen Morgen.
Bei der dritten Runde frischt der Wind auf - jetzt fängt es an, Spaß zu machen, mit der größeren Anstrengung kommt der Flow.
Bei Runde 4 - ich genieße gerade das erste Sonnenglitzern auf den Wellen, die z.T. sogar Schaumkronen ("white horses") tragen - kommen die Windsurfer, und auf dem Rückweg fährt ein Motorboot an mich heran um mir mitzuteilen, dass ich mitten durch eine Regatta schwimme. Ob ich mich nicht etwas mehr am Ufer halten kann?
Zuerst fühle ich mein ganzes Programm durcheinander gebracht - gerade den zweiten Teil des Sees, wo der Wind freie Bahn hat, nicht schwimmen zu können, wie ärgerlich! Wo das Wellen-Training jetzt so wichtig wäre, und so Spaß macht! Dann versuche ich es einfach. Ab der Hälfte schwimme ich am Ufer entlang zu meinen "goldenen Strand", Surfer kommen mir kaum in die Quere, und in Ufernähe ist es genauso wellig. Beim Rückweg wieder Sonnentanz auf den Wellen - ich tauche völlig ein in eine Licht-Wasser-Welt.
Die neue Route macht sogar Spaß - mir wird wieder bewusst, wie gut es tun kann, aus einer Routine auszubrechen, Neues zu entdecken. Im Yoga geht es auch darum, nicht an Dingen/Personen/Situationen zu haften - aber Loslassen, ohne Angst oder Ärger, ist immer ein Stück Überwindung, die aber meist belohnt wird.
Die Taktik war: 5 Runden/Stunden, dann noch 2 drauf. Am Ende der 6. Runde wieder das gute Gefühl: Kanal-Mitte. Aber dann großer Kampf: Ein Teil in mir sagt: "Das reicht jetzt, den Rest machen wir morgen." Die Wellen sind spürbar in Arme und Schultern gegangen, ich fröstle immer wieder. Ein anderer Teil in mir spürt, das das Kneifen wäre. Ich wechsle in einen trockenen Badeanzug, mache Pause, wärme mich auf. Die Sonne strahlt warm, Kinder tollen und lachen im Wasser - jetzt nach Hause gehen? Nein. Kurze Überwindung, und los geht es. Das Wasser fühlt sich kühler an als am Morgen, obwohl es sicher wärmer ist. Dennoch: Die 7. Stunde ist wieder die schönste, die Regatta ist vorbei, ich habe freie Bahn, es fließt. Auf dem Rückweg bin ich jedoch froh, fertig zu sein. Eine 8. Runde ist heute definitiv nicht drin, zudem will ich rechtzeitig nach Hause für ein Abendtreffen und noch Kraft für Sonntag aufheben. Mit dem Rad geht es noch 1 Stunde über die Sommerfelder nach Mannheim.
Sonntag erst kurz vor 11 Uhr ins Wasser (nach 1 h Fahrrad von Mannheim, abends auch 1 h zurück). Die Arme sind so schwer, dass ich das Gefühl habe zu kriechen oder in Zeitlupe zu schwimmen. Nach kurzer Zeit jedoch beginnt es schon wieder zu fließen und ein Gefühl von Kraft und Energe stellt sich ein. Heute ist es windstill, keine Surfer mehr, auch die Sonne ist schon da.
Ich zähle nicht erste, zweite, dritte Runde, sondern achte, neunte, zehnte....
Bei der 3. Runde wieder schwere Arme - an mehr als 5 h ist sicher nicht zu denken. Nach einer längeren Pause mit Wechsel in einen trockenen Badeanzug und kurzem Aufwärmen (Wasser ist ca 20 °C) kommt bei der nächsten Runde wieder die Power. Ich muss an den Satz von Sri Chinmoy denken "We are truely unlimited ... - wir sind in Wahrheit unbegrenzt, wenn wir es wagen und daran glauben."
Zweimal komme ich bei meinen Pausen mit den DLRG-Helfern ins Gespräch, bei denen ich inzwischen bekannt bin. Angenehme Pausenverlängerung. Dafür macht das Schwimmen danach wieder mehr Spaß. Die letzten beiden Runden strahlt die Sonne so ins Wasser, dass es scheint, als kämen die Lichtsstrahlen aus der Tiefe - man fühlt sich wie in einem Meer von Licht, ein wunderbares Gefühl, das ich auch damals im Kanal lange Zeit hatte.
Eine 6. Runde ist jedoch nicht mehr drin. Wenn es sein müsste, ginge es natürlich, aber ich habe kein gutes Gefühl, meinen Körper zu pushen. Auch wenn 13 gut klingen würde - 12 Stunden für das Wochenende sind auch nicht schlecht.
Ich hatte beim Schwimmen viel zurückgedacht an 1985, als ich Ende Juni meinen letzten langen Trainingsschwimm vor Dover hier absolviert hatte: 12 h an einem Tag! Mit einer Freundin waren wir gegen 5 Uhr in Heidelberg mit dem Auto losgefahren. Der See lag in einer wunderbaren stillen Morgenstimmung mit spiegelglattem Wasser, und ich probierte das erste Mal den "Channel Grease" aus, eine Mischung aus Lanolin und Paraffin, die etwas vor Kälte schützt aber extrem klebrig ist. In meiner Unerfahrenheit trug ich den Grease auf den Badeanzug auf, der daraufhin im kalten Wasser, wo das Fett fest wurde und die Elastizität des Stoffs aufhob, wie ein Bremsballon an meinem Körper hing. Daraufhin musste meine Freundin zurückfahren und einen anderen Badeanzug holen, während ich schon mal allein die erste Runde ohne schwamm - allein in dieser wunderschönen Morgenstimmung. Später kamen dann noch weitere Mitglieder von unserem Team zum rudern und schwimmen, den meisten war es aber schnell zu kalt (damals war es sicher nicht mehr als 17/18 Grad). Es war wie ein Familienausflug.
Die 12 Stunden von diesem Wochenende widmete ich innerlich dieser Freundin, die nach einer Hirntumor-Erkrankung vor einigen Monaten dieser Welt Lebewohl gesagt hat. Ich hatte das Gefühl, sie sei wieder dabei gewesen. Und musste daran denken, wie wichtig es ist, sich nicht von seinen Träumen und Zielen abbringen zu lassen - niemand weiß, wieviel Zeit er hier auf der Erde zur Verfügung hat!
Jetzt freue ich mich riesig auf Dover. Freitag (4.7.) früh geht es los, mit Zug und Fähre, Dienstag zurück. Ziel: soviel Schwimmtraining im Hafen wie möglich, besser einschätzen können wo ich stehe, das Boot begutachten und ein paar Dinge mit dem Piloten klären, und letztlich noch etwas Intensität für die letzte Zeit der Vorbereitung gewinnen.
P.S.: Sonntag abend natürlich noch das Fußball-EM-Finale geschaut. Hatte auf Spanien getippt und war happy, dass das beste Team des Turniers auch gewann. Vize-Europameister ist ja auch eine Super-Leistung!
(Witzig: Als ich am Dienstagabend nach dem Schwimmtraining im Freibad durch Bammental fuhr, kam gerade Bundestrainer-Assistent Hansi Flick von seinem großen Empfang aus dem Rathaus, und ich konnte es mir nicht verkneifen, inmitten einer Horde von Kindern auch ein Autogramm zu holen - immerhin hat die TSG Hoffenheim während seiner Zeit als Trainer dort auch beim World Harmony Run mitgemacht!)
Mittwoch, 25. Juni 2008
21./22. Juni - 9 Stunden im Bodensee
Endlich in die Weite schwimmen! Fast wie im Meer! Quallen und Seetang vermisse ich allerdings nicht....
Ohne es zu merken, kamen wir am Samstag einer Regatta in die Quere.
Unser internationales Sri Chinmoy Marathon Team Meeting in Kreuzlingen am Bodensee war die ideale Gelegenheit für ein intensives Schwimm-Wochenende. Endlich ein großer See, mit Wellen und kälterem, extrem klarem türkisfarbenem Wasser! Dazu strahlender Sonnenschein, fröhliche Helfer und ein wunderschönes knallrotes Kayak! Das ist mein Luxus!
Valishta ist happy - es verspricht ein guter Tag zu werden!
Dank Valishta und am Sonntag Kastura aus Zürich, die meine treuen Paddler waren, konnte ich mich weit auf den See hinaus wagen, seeaufwärts in Richtung Bregenz. Samstag 4 Stunden, Sonntag 5 Stunden (davon eine ohne Begleitung) in geschätzten 18°C kaltem Wasser, mit Wellen und Wogen - eine Qualitätsstufe mehr im Training! Danach war ich deutlich einiges kaputter als nach den 2x5 Stunden am sanften Silbersee. Guter Fortschritt also!
Futterpause mit Aufwäremen am Boot (der Körper hat Gänsehaut, bei über 30°C Außentemperatur) - im Kanal darf man Boot und Helfer allerdings nicht berühren
Auf dem Rückweg nach Kreuzlingen

Sonntagmorgen - fertig für die nächste Trainingseinheit (5 h)
(Längerer Bericht auf der englischen Seite: www.channel-triathlon.blogspot.com/)
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Montag, 16. Juni 2008
14./15 Juni - 30 km im See - Tanz mit den Wellen

Das Wochenende war kalt und nass gemeldet, SEHR kalt und vor allem Sonntag SEHR nass - gut für Kanaltraining (Temperatursturz bis zu 8°C am Morgen, 16-18°C tagsüber). Einerseits sehr willkommen zwar, aber da ich bisher keine Gelegenheit für längeres Kältetraining hatte, wusste ich nicht, wie lange ich es gefahrlos so ganz allein im Silbersee würde aushalten können. 1 Runde dauert immerhin 1 Stunde, zwar ist überall Ufer in der Nähe, aber zurück laufen ist auch nicht besser.
Mein Ziel war, Samstag und Sonntag je 5 Stunden "back to back", soweit wie möglich im kalten See zu schwimmen, den Rest zur Not im warmen Freibad.
Als ich Samstag gegen 9:30 Uhr (7;54 Uhr Abfahrt Ziegelhausen, kalt und düster) am Silbersee ankomme, große Überraschung: fast blauer Himmel, die Sonne ist da. Das Wasser ist kälter als sonst, aber nicht eisig, ca. 19-20 Grad (Dover jetzt: 13-14°C!), wunderbar klar. Die 5 Stunden sind kein Problem, der Wind ist zwar noch kälter, aber die Sonne hilft ein bisschen.
Ich bin unsicher, ob ich noch eine 6. Stunde draufpacken soll, da ich nicht wirklich verausgabt bin und auch Hände und Füße noch nicht kalt sind, will dann aber genug "Hunger" übrig lassen, um am nächsten Tag nochmal 5 Stunden hier durchstehen zu können, auch bei Regen, ohne Sonne. Freibad ist abgeschrieben (25 °C!!), dazu bin ich fest entschlossen.
Radle noch 1 Std. über die Felder zurück nach Mannheim zum Bahnhof statt zur nächsten Station, schaue auf dem Weg noch kurz beim American Football im MTG-Stadium vorbei, was mich an New York erinnert und ganz witzig ist, vor allem wenn es dem Stadiumsprecher genauso geht wie mir nach dem Anstoß: "Wo ist denn der Ball?!" Die Regeln sind für Laien so undurchsichtig, dass ich zu verstehen glaube, wie die Idee zu Calvinball entstanden ist. Aber es ist dynamisch und unterhaltsam, eine willkommene Abwechslung. Um 20 Uhr dann noch Treffen mit Freunden.
Sonntag:
Der Wetterbericht hatte sich erstaunlicher Weise geändert: Regen nur noch am Nachmittag. Super! Wieder mit dem 7:54 Uhr Zug nach Frankenthal, per Pedales zum See. Dickere Wolken, zwei DLRG-Jungs schon da (und 2 Angler am anderen Ufer), sonst absolute Einsamkeit und Stille - von Kuckucksrufen, Fröschequaken und Vogelgezwitscher abgesehen. Als ich mich einfette und grad ins Wasser will, begrüßt uns die Sonne! Während der ersten 3 Stunden schaut sie immer mal kurz raus, eine weitere halbe Stunde später: eine dicke dunkle Wolke schiebt sich über den See - der angekündigte Regen, nur früher. Gegen den auffrischenden Wind schwimme ich zurück, sehe fast nichts mehr vor Regen, dazu haben meine Goggles angefangen zu lecken. Zum Glück sind keine Segler oder Surfer auf dem See, ich bin teilweise blind wie ein Maulwurf. Gute Erinnerung, ein paar neue Schwimmbrillen zu besorgen, zu testen und "einzuschwimmen" für Dover.
Der Regen wird stärker, prasselt herab. Als ich nach 4 h kurz aus dem Wasser steige um nach meinen Sachen zu schauen (gut zugedeckt) und mich mit etwas heißem Ingwertee und Rosinen zu stärken, sind die beiden DLRG-Leute gerade im Aufbruch. Außer mir gab es sowieso niemanden zu beaufsichtigen. "Fertig?" rufen sie mir zu. "Noch eine Runde," antworte ich. "Bei dem Regen!" meinen sie kopfschüttelnd. Haha! Ich steige wieder ins Wasser - wesentlich angenehmer als draußen. Die 5. Runde macht noch einmal so richtig Spaß - erst schiebt mich der Wind von hinten, ich tanze mit den Wellen zum anderen Ufer, genieße das Gefühl von Dynamik und Power, dann auf dem Rückweg heißt es wieder gegen die Wellen "punchen", auch das liebe ich, das beste Training. Eigentlich sollte man speziell bei schlechtem Wetter an den See, solange kein Gewitter droht. Mir wird wieder einmal bewusst, wie gut doch "widrige Umstände" - auch sonst im Leben - sein können, um zu helfen, die eigene Kraft so richtig zum Vorschein zu bringen und zu trainieren. Und wieviel Freude man erhält, wenn man die Herausforderung annimmt statt innerlich Widerstand zu leisten!
Nach den 5 h keine Versuchung für eine Zusatzrunde. Ich hatte innerlich noch ein bisschen das Surya-Lied gesungen, es ist fröhlich, mit einem guten Rhythmus, und dachte, mal testen was passiert...., und tatsächlich kam die Sonne während der letzten Minuten noch etwas raus, ließ ihr Licht silbern auf den Wellen tanzen, und wärmte am Ufer dann schon wieder ein wenig! Ich war happy und dankbar, die 2 x 15 km im See mit freundlicher Unterstüztung von oben geschafft zu haben, wollte aber keine weitere kalte Dusche auf dem Fahrrad riskieren.
Als ich gegen 18 Uhr in Ziegelhausen ankam, war es so dunkel und der Wind bließ so kalt, dass die Vorstellung, 2 x 5 Stunden im See geschwommen zu sein, vollkommen irrationale Züge annahm. Was mich aber wieder beruhigte, da der Kanal-Triathlon auch manchmal irrational anmutet - und ich trotzdem weiß, er ist machbar.
Montag früh 1 Stunde Lauf mit Ellen flach am Neckar entlang, zum ersten Mal nach dem Mannheim-Marathon - gutes, fittes Gefühl. Aber tagsüber dann müde und fröstelig. Einen Ruhetag hab ich mir verdient. Großer Topf Nudeln mit Tomatensauce und Eiskrem - der Körper hat noch Nachholbedarf.
Am Wochenende ist ein Long Swim im Bodensee geplant, bei Kreuzlingen, diesmal mit Begleitung von Helfern. Wassertemperatur dort im Moment nur knapp 17 Grad! (letztes Jahr um die gleiche Zeit schon 20+!) Schaun mer mal, wie lange wir es darin aushalten. Bis zum großen Tag ist noch einiges an Abhärtung notwendig! Aber ich bin zuversichtlich.
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Sonntag, 8. Juni 2008
7./8. Juni - Long Swim, Radtour (120km) nach Amorbach und Gewitter
Sa., 7. Juni
Nach dem 5-Stunden-Schwimm letzte Woche waren für heute eigentlich 7 Stunden geplant - ca. 21 km. (Der Ärmelkanal ist 33 km Luftlinie, man schwimmt aber wegen der Strömung in der Regel 45-50 km oder mehr.)
Am Abend zuvor hatte ich mich innerlich auf den 7:54-Uhr-Zug programmiert (6:54 klang noch zu abenteuerlich), um ca. 9:30 am Silbersee zu sein, und trotz ein bisschen verschlafen funktionierte es (inkl. Morgenmeditation und Tasche packen.)
Als ich am See ankam, natürlich wieder keine Menschenseele, aber zur Begrüßung ein Schwan neben dem Stockentenmännchen und drei Familien Schwarzhalsgänse (meine Bezeichnung), die erst draußen auf dem See dahinzogen, dann aber innerhalb von 15 Minuten eine nach der anderen ca. 50 m von mir entfernt an Land gingen um im Gras nach Futter zu suchen - mit 10 kleineren und größeren Gänsekücken. Ich genoss kurz die Ruhe und beobachtete die Tiere, bis ich kurz vor 10 Uhr endlich ins Wasser stieg. Ich dachte an Dover - dort müssten sie jetzt fast zur gleichen Zeit mit dem Training beginnen (9 Uhr, aber Zeitverschiebung).
Wieder Sets von 2 Runden - halbe Stunde hin, halbe zurück - nach der 2. Stunde Frühstück (Eierwaffeln von Aldi zur Abwechslung), bei Runde 4 das gute Gefühl, jetzt geht es bergab, "nur" noch 3 Stunden. Nach vier Stunden Müsli und Bananen, und noch etwas Waffel, später noch Rosinen und Energy-Gel.
Diesmal schwimme ich viel mit Erinnerungen. Ich denke an meinen 7-Stunden-Testschwimm in Dover im Juli 1985, bei denkbar schlechtem Wetter, wieviel Spaß es machte, in die Wellen zu "punchen", und wie gut ich mich nach den 7 Stunden noch fühlte. Und dabei hatte ich erst Ende April mit dem Training begonnen! Hier ist der See allerdings flach, leider. Oder ich denke an Jones Beach, Long Island, vor New York, wo wir 1985, als ich im Juli und August wegen schlechtem Wetter den Kanal nicht schwimmen konnte, 2 Wochen Intensivtraining genossen, ebenfalls meist bei recht hohem Wellengang.
Als die 6. Stunde anfängt, stelle ich mir vor, im Kanal zu sein, das Boot neben mir - nach 6 Stunden hatte ich damals die Mitte erreicht, geographisch. Ich konnte vom Wasser aus beide Küsten sehen - die Weißen Klippen von Dover und die französische Küste! Es war ein irres Gefühl. In dem Moment wusste ich, das ich es schaffen würde. Und dann dauerte es von dieser "Mitte" noch 11 Stunden! Im Moment konnte ich mir nicht vorstellen, noch einmal 11 Stunden dran zu hängen - aber es sind ja noch ein paar Wochen Zeit, und das Training wird intensiver. Und die Muskeln wachsen noch.
Während der 7. Stunde wollte ich mir als Visualisationsübung vorstellen, die französische Küste zu erreichen, wie in diesem Video eines anderen Kanalschwimmers:
The video below is of Hugh completing his English Channel Swim on 7/8/2004.
Video
Als ich nach der 6. Stunde (ca. 18 km) für eine kurze Trinkpause aus dem Wasser stieg, fiel mir jedoch die dunkle Wolke am Horizont auf, die bedrohlich größer wurde und näher kam. Der angekündigte 11 Uhr-Regen war ausgefallen, der 17-Uhr Regen würde fast pünktlich sein, schien es. Beim Schwimmen stört Regen ja nicht. Etwas trieb mich aber, die DLRG-Leute zu fragen, ob ein Gewitter gemeldet sei oder nur Regen. Sie fragten, ob ich denn nicht die Blitze in der Ferne gesehen und den Donner gehört hätte?
Erstmal Enttäuschung. Dann zurück ins Wasser, um in Ufernähe wenigstens solange wie möglich noch hin und her zu schwimmen in der Hoffnung, das Unwetter würde vorbeiziehen. Jetzt kamen die Blitze von zwei Seiten auf den See zu. Keine Wahl also! Der Wind frischte auf (endlich schöne Wellen!) und die Wolken öffneten sich. Ich war eine der letzten, die den Strand verließ. Mit dem Rad noch übers offene Feld zum Bahnhof - ich war dankbar und erleichtert, ohne Blitzeinschlag wohlbehalten dort anzukommen.
Radtraining nach Amorbach (120 km) und wieder Gewitter
Sonntag, 8. Juni
Für heute war 26 Grad und Sonne mit etwas Wolken angekündigt. Nachdem die Gewichte (Hanteln) am Morgen extrem schwer erschienen und Arme und Schultern heute nicht noch einen Long Swim verkraften würden, war die geplante Bike-Tour doch das Sinnvollste. Amorbach und zurück - 120 km mit einigen Höhenmetern, eine sehr schöne Strecke erst am Necker entlang, dann durch kühlen Wald, ab Eberbach langsam, ab Kailbach steiler bergauf, 15 km vor Amorbach dann schön bergab - und umgekehrt. Cappuchino im kleinen Barockstädtchen, draußen in der Sonne - so die Vorstellung. Und bis Kailbach auch wie geplant, im Gegenteil, die Strecke erscheint sogar leichter und kürzer als in der Erinnerung.
Als es dann hoch zum Kamm des Höhenzuges geht, wieder dunkle Wolken über dem Wald, sehr dunkle. Donnergrollen. Nicht schon wieder! Das war nicht gemeldet! Es fängt leicht an zu regnen (ich hatte die Regenjacke extra zu hause gelassen), von angenehm frisch sinkt die Temperatur auf etwas kühl. Als ich auf dem Kamm ankomme und meine, aus der Wolke schnell ins Tal in die Sonne fahren zu können, öffnen sich wieder die Schleusen. Ich suche kurz Schutz, um bei der Kühle nicht völlig durchnässt zu sein für die nächsten Stunden, und fahre weiter, als es nachlässt. Der helle Himmel in der Ferne trügt jedoch - es geht erstmal weiter in den Regen hinein, bis es nach 30 Min. dann doch erstmal aufhört. Ich muss dann doch wieder lachen - ist halt Kanaltraining!
5 km vor Amorbach dann wieder eine dicke dunkle klassische Gewitterwolke von rechts. Links, Richtung Amorbach, blauer Himmel. Schaffe ich es noch? Auf einmal öffnen sich wieder die Schleusen, Tropfen wie Geschosse, dazu Donnergrollen und erste Blitze - schnelle Umkehr zur letzten Tankstelle zum Schutz suchen. Ratlos und fröstelnd stehe ich da, esse erstmal meine Haferflocken (die Brötchen fielen schon der letzten Pause zum Opfer). Zurück und wieder vor dem Ziel abbrechen? Dort hängen auch die Wolken. Ich möchte noch etwas Sonne, einen Cappucchino, und vor allem Amorbach erreichen. Als Regen und Blitze nachlassen, wage ich es. In 10 Min. bin ich in Amorbach, aber auch dort alles nass, keine Sonne. Ich genieße trotzdem meinen Cappuchino in einer Eisdiele neben einer Gruppe Motorbikern, die diese Strecke genauso zu lieben scheinen wie die Oldtimer, die einem hier begegnen.
Als ich mich wieder aufs Rad schwinge: "Here comes the sun!!!" Zaghaft, ohne Wärme noch, aber alles verzaubernd. Falls ich mal eine heidnische Inkarnation gehabt haben sollte, war ich sicher ein Sonnenanbeter. Sonnenstrahlen durch Wolken und Blattwerk, Sonnenglitzern auf Wasser, auf Schnee, auf regennasser Strasse, in Tautropfen - schöner als Diamanten. Und die Yogis sagen, die innere Sonne sei noch unendlich viel schöner und kraftvoller.
Bis sie im Neckartal wieder ihre volle Kraft entfaltet, bleibt sie zum Glück noch gemildert. Bis kurz vor dem Hügelkamm kühlt ein leichter Sprühregen, während von rechts die Sonne strahlt. Auf den letzten Metern bergauf sind die einzigen Tropfen dann der Schweiß von meiner Stirn, bevor ich bergab nochmal in die Kühle des Waldes eintauche.
Als ich nach ca. 6 1/2 Stunden wieder zuhause bin, zwar noch ganz fit, aber nicht "taufrisch", frage ich mich, wie das mit den 560 km werden soll (die allerdings nicht so bergig sind). Dabei bin ich mir zugleich bewusst, dass es 2000 und 2004 ja auch ganz gut ging beim Dreifach-Ironman in Lensahn - nur werden es jetzt zuvor ein paar Stunden mehr Schwimmen sein.
Im Prinzip kann man solche Ultras nicht wirklich trainieren. Man kann durch Training für Körper und Geist nur eine möglichst gute Grundlage zu schaffen versuchen. Am Schluss muss es eine tiefere oder höhere Kraft sein, für die man sich öffnet - und das ist das Faszinierende an den Ultras, wenn man spürt, dass man über das rein Physische hinausgeht.
Nach dem 5-Stunden-Schwimm letzte Woche waren für heute eigentlich 7 Stunden geplant - ca. 21 km. (Der Ärmelkanal ist 33 km Luftlinie, man schwimmt aber wegen der Strömung in der Regel 45-50 km oder mehr.)
Am Abend zuvor hatte ich mich innerlich auf den 7:54-Uhr-Zug programmiert (6:54 klang noch zu abenteuerlich), um ca. 9:30 am Silbersee zu sein, und trotz ein bisschen verschlafen funktionierte es (inkl. Morgenmeditation und Tasche packen.)
Als ich am See ankam, natürlich wieder keine Menschenseele, aber zur Begrüßung ein Schwan neben dem Stockentenmännchen und drei Familien Schwarzhalsgänse (meine Bezeichnung), die erst draußen auf dem See dahinzogen, dann aber innerhalb von 15 Minuten eine nach der anderen ca. 50 m von mir entfernt an Land gingen um im Gras nach Futter zu suchen - mit 10 kleineren und größeren Gänsekücken. Ich genoss kurz die Ruhe und beobachtete die Tiere, bis ich kurz vor 10 Uhr endlich ins Wasser stieg. Ich dachte an Dover - dort müssten sie jetzt fast zur gleichen Zeit mit dem Training beginnen (9 Uhr, aber Zeitverschiebung).
Wieder Sets von 2 Runden - halbe Stunde hin, halbe zurück - nach der 2. Stunde Frühstück (Eierwaffeln von Aldi zur Abwechslung), bei Runde 4 das gute Gefühl, jetzt geht es bergab, "nur" noch 3 Stunden. Nach vier Stunden Müsli und Bananen, und noch etwas Waffel, später noch Rosinen und Energy-Gel.
Diesmal schwimme ich viel mit Erinnerungen. Ich denke an meinen 7-Stunden-Testschwimm in Dover im Juli 1985, bei denkbar schlechtem Wetter, wieviel Spaß es machte, in die Wellen zu "punchen", und wie gut ich mich nach den 7 Stunden noch fühlte. Und dabei hatte ich erst Ende April mit dem Training begonnen! Hier ist der See allerdings flach, leider. Oder ich denke an Jones Beach, Long Island, vor New York, wo wir 1985, als ich im Juli und August wegen schlechtem Wetter den Kanal nicht schwimmen konnte, 2 Wochen Intensivtraining genossen, ebenfalls meist bei recht hohem Wellengang.
Als die 6. Stunde anfängt, stelle ich mir vor, im Kanal zu sein, das Boot neben mir - nach 6 Stunden hatte ich damals die Mitte erreicht, geographisch. Ich konnte vom Wasser aus beide Küsten sehen - die Weißen Klippen von Dover und die französische Küste! Es war ein irres Gefühl. In dem Moment wusste ich, das ich es schaffen würde. Und dann dauerte es von dieser "Mitte" noch 11 Stunden! Im Moment konnte ich mir nicht vorstellen, noch einmal 11 Stunden dran zu hängen - aber es sind ja noch ein paar Wochen Zeit, und das Training wird intensiver. Und die Muskeln wachsen noch.
Während der 7. Stunde wollte ich mir als Visualisationsübung vorstellen, die französische Küste zu erreichen, wie in diesem Video eines anderen Kanalschwimmers:
The video below is of Hugh completing his English Channel Swim on 7/8/2004.
Video
Als ich nach der 6. Stunde (ca. 18 km) für eine kurze Trinkpause aus dem Wasser stieg, fiel mir jedoch die dunkle Wolke am Horizont auf, die bedrohlich größer wurde und näher kam. Der angekündigte 11 Uhr-Regen war ausgefallen, der 17-Uhr Regen würde fast pünktlich sein, schien es. Beim Schwimmen stört Regen ja nicht. Etwas trieb mich aber, die DLRG-Leute zu fragen, ob ein Gewitter gemeldet sei oder nur Regen. Sie fragten, ob ich denn nicht die Blitze in der Ferne gesehen und den Donner gehört hätte?
Erstmal Enttäuschung. Dann zurück ins Wasser, um in Ufernähe wenigstens solange wie möglich noch hin und her zu schwimmen in der Hoffnung, das Unwetter würde vorbeiziehen. Jetzt kamen die Blitze von zwei Seiten auf den See zu. Keine Wahl also! Der Wind frischte auf (endlich schöne Wellen!) und die Wolken öffneten sich. Ich war eine der letzten, die den Strand verließ. Mit dem Rad noch übers offene Feld zum Bahnhof - ich war dankbar und erleichtert, ohne Blitzeinschlag wohlbehalten dort anzukommen.
Radtraining nach Amorbach (120 km) und wieder Gewitter
Sonntag, 8. Juni
Für heute war 26 Grad und Sonne mit etwas Wolken angekündigt. Nachdem die Gewichte (Hanteln) am Morgen extrem schwer erschienen und Arme und Schultern heute nicht noch einen Long Swim verkraften würden, war die geplante Bike-Tour doch das Sinnvollste. Amorbach und zurück - 120 km mit einigen Höhenmetern, eine sehr schöne Strecke erst am Necker entlang, dann durch kühlen Wald, ab Eberbach langsam, ab Kailbach steiler bergauf, 15 km vor Amorbach dann schön bergab - und umgekehrt. Cappuchino im kleinen Barockstädtchen, draußen in der Sonne - so die Vorstellung. Und bis Kailbach auch wie geplant, im Gegenteil, die Strecke erscheint sogar leichter und kürzer als in der Erinnerung.
Als es dann hoch zum Kamm des Höhenzuges geht, wieder dunkle Wolken über dem Wald, sehr dunkle. Donnergrollen. Nicht schon wieder! Das war nicht gemeldet! Es fängt leicht an zu regnen (ich hatte die Regenjacke extra zu hause gelassen), von angenehm frisch sinkt die Temperatur auf etwas kühl. Als ich auf dem Kamm ankomme und meine, aus der Wolke schnell ins Tal in die Sonne fahren zu können, öffnen sich wieder die Schleusen. Ich suche kurz Schutz, um bei der Kühle nicht völlig durchnässt zu sein für die nächsten Stunden, und fahre weiter, als es nachlässt. Der helle Himmel in der Ferne trügt jedoch - es geht erstmal weiter in den Regen hinein, bis es nach 30 Min. dann doch erstmal aufhört. Ich muss dann doch wieder lachen - ist halt Kanaltraining!
5 km vor Amorbach dann wieder eine dicke dunkle klassische Gewitterwolke von rechts. Links, Richtung Amorbach, blauer Himmel. Schaffe ich es noch? Auf einmal öffnen sich wieder die Schleusen, Tropfen wie Geschosse, dazu Donnergrollen und erste Blitze - schnelle Umkehr zur letzten Tankstelle zum Schutz suchen. Ratlos und fröstelnd stehe ich da, esse erstmal meine Haferflocken (die Brötchen fielen schon der letzten Pause zum Opfer). Zurück und wieder vor dem Ziel abbrechen? Dort hängen auch die Wolken. Ich möchte noch etwas Sonne, einen Cappucchino, und vor allem Amorbach erreichen. Als Regen und Blitze nachlassen, wage ich es. In 10 Min. bin ich in Amorbach, aber auch dort alles nass, keine Sonne. Ich genieße trotzdem meinen Cappuchino in einer Eisdiele neben einer Gruppe Motorbikern, die diese Strecke genauso zu lieben scheinen wie die Oldtimer, die einem hier begegnen.
Als ich mich wieder aufs Rad schwinge: "Here comes the sun!!!" Zaghaft, ohne Wärme noch, aber alles verzaubernd. Falls ich mal eine heidnische Inkarnation gehabt haben sollte, war ich sicher ein Sonnenanbeter. Sonnenstrahlen durch Wolken und Blattwerk, Sonnenglitzern auf Wasser, auf Schnee, auf regennasser Strasse, in Tautropfen - schöner als Diamanten. Und die Yogis sagen, die innere Sonne sei noch unendlich viel schöner und kraftvoller.
Bis sie im Neckartal wieder ihre volle Kraft entfaltet, bleibt sie zum Glück noch gemildert. Bis kurz vor dem Hügelkamm kühlt ein leichter Sprühregen, während von rechts die Sonne strahlt. Auf den letzten Metern bergauf sind die einzigen Tropfen dann der Schweiß von meiner Stirn, bevor ich bergab nochmal in die Kühle des Waldes eintauche.
Als ich nach ca. 6 1/2 Stunden wieder zuhause bin, zwar noch ganz fit, aber nicht "taufrisch", frage ich mich, wie das mit den 560 km werden soll (die allerdings nicht so bergig sind). Dabei bin ich mir zugleich bewusst, dass es 2000 und 2004 ja auch ganz gut ging beim Dreifach-Ironman in Lensahn - nur werden es jetzt zuvor ein paar Stunden mehr Schwimmen sein.
Im Prinzip kann man solche Ultras nicht wirklich trainieren. Man kann durch Training für Körper und Geist nur eine möglichst gute Grundlage zu schaffen versuchen. Am Schluss muss es eine tiefere oder höhere Kraft sein, für die man sich öffnet - und das ist das Faszinierende an den Ultras, wenn man spürt, dass man über das rein Physische hinausgeht.
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